Pauls DD_Blog

Dresden aus persönlicher Sicht des CAZ-Redakteurs und bald fertigen Wirtschaftsingenieurs Paul. Mit Ausflügen in die Kommunalpolitik und persönliche Interessenfelder.

KULTUR-INFARKT: Eine Buchvorstellung mit lokalem Bezug

Buchcover: Der Kultur Infarkt

Dresden ist eine Kulurmetropole. Soweit das propagierte Klischee und eines der bedeutungsschwächsten Bullshit-BINGO-Wörter, die man allenthalben hört.
Kultur ist natürlich ganz groß in Dresden, insbesondere im Kontext von Architektur und historischem Wert – also im bewahrenden, sammlerischen Sinn. Aber Dresden ist ganz sicher keine Metropole und das ist auch gut so. Denn was die Stadt übersichtlich und gemütlich macht, haben echte Metropolen schon längst verloren.

Nur leider versuchen notorisch größenwahnsinnige Landes- und Kommunalpolitiker genau das zu ändern und so wird in einer Landeshauptstadt schon mal ganz weltstädtisch Geld zum Fenster rausgeblasen ohne Ende.

In diesem Kontext habe ich mal ein sehr empfehlenswertes Buch unter die Lupe genommen:

KULTUR-INFARKT. Von allem zuviel und überall das Gleiche. Dieses im Feuilleton sehr heftig diskutierte Buch räumt mal mit dem ganzen Blödsinn um Kulturförderung auf und zeigt beängstigende Fakten, die sehr nah an sehr aktuellen Entscheidungen unserer Lokalpolitik sind.

Deshalb habe ich mich entschlossen, die Erkenntnisse des Buches parallel hier mit Zahlen aus Dresden zu untermauern, so sie denn öffentlich zugänglich waren/sind.
So war in einem Zeitungsartikel einer Leipziger Zeitung zu lesen, dass es ja in Dresden noch vorstellbar sei, die Semperoper mit Sitzplatzpreisen von 250 € dennoch zu füllen – aber im ländlichen Sachsen (& – Anhalt) sei das nun mal nicht vorstellbar und so findet man dort die höchstsubventionierten Theaterkarten im ganzen Bundesgebiet.
Was die Frage aufwirft, die sich eigentlich die Semperoper selbst finanziert:

Einrichtung Auslastung Kostendeckungsgrad jährl. Zuschuss
Semperoper
500 Beschäftigte
90 – 96 % 40 – 47 % 30 – 40 Mio.
Staatsschauspiel
380 Beschäftigte
k.A. k.A. 15 Mio.
Landesbühnen k.A. 13 % 12 Mio.

Nun die kommunalen Einrichtungen:

Einrichtung Auslastung Kostendeckungsgrad jährl. Zuschuss
Operette 80 % 13 % 12 Mio.
Philharmonie 71 % 16 % 12 Mio.
Bibliotheken k.A. 10 % 9,3 Mio.
TJG 60 % 4,4 % 7 Mio.
Hellerau 60 % 18 % 3 Mio.
Kreuzchor k.A. 17 % 2,4 Mio.
Musikfestspiele 75 % 40 % 1,4 Mio.
Jugendkunstschule k.A. 21 % 1,0 Mio.
Societätstheater k.A. k.A. 0,7 Mio.
Theater Rudi 80% 11 % 0,4 Mio.
Grafikwerkstatt k.A. 21 % 0,1 Mio.

Quelle: Landesrechnungshof, Wirtschaftsberichte der Landeshauptstadt Dresden, diverse Zeitungsartikel zum Thema

Damit ist die Semperoper die mit Abstand rentabelste große öffentliche Kultureinrichtung in Dresden. Und dennoch wird jede Karte mit durchschnittlich 95 € gefördert. Es sind also entweder die Kosten für den Betrieb der Oper viel zu hoch oder aber man muss einsehen, dass Oper eine sehr teure Veranstaltung ist und muss über den Kartenpreis eben einige Käuferschichten von der Veranstaltung fernhalten. Da aber -empirisch bewiesen- ohnehin der Geringverdiener eher selten in der Oper ist, könnte man mit der bisherigen Förderung dieser Einrichtung viele kleine, sinnvollere Projekte umsetzen.

Eine Kultureinrichtung muss wirtschaftlich zu betreiben sein

Früher wurden Theater gebaut, um Geld damit zu verdienen – gleiches gilt heute noch für den Zirkus, für die großen Musicals, für private Kabaratts und Kleinkunst jeglicher Couleur.
Da durchweg bei allen untersuchten Kultureinrichtungen die Personalkosten den mit Abstand größten Kostenpunkt ausmachten (60-95%), heißt es also im Umkehrschluss, dass zu viel Geld für das Personal ausgegeben wird oder die Karten einfach zu billig sind oder das Personal zu wenige Vorstellungen spielt, um rentabel zu sein.

Da Karten privater Veranstalter in ähnlichen Preissegmenten angesiedelt sind, lass ich mal die Kartenpreise weg – auch wenn das der einfachste Hebel ist.

Es wäre also zu untersuchen, wie sich die Grenzkosten einer Veranstaltung verhalten, also welche Mehrkosten entstehen würden, wenn man mit den vorhandenen Mitteln einfach eine Vorstellung pro Monat mehr geben würde.
Das ist betriebswirtschaftlich primitivster Stoff, aber wird von den betroffenen Kultureinrichtungen konsequent ignoriert – was der Landesrechnungshof zwar deutlich rügt – aber passieren wird deshalb nichts.
Wenn nämlich die Grenzkosten einer Veranstaltung niedriger liegen, als die zu erwartenden Einnahmen, ließe sich der Kostendeckungsgrad der Kultureinrichtungen steigern, indem weniger geprobt / gebaut / neu inszeniert wird, sondern indem man einfach das Repertoire öfter spielt.

Sind die Grenzkosten hingegen höher als die zu erwartenden Einnahmen, sollte man das entsprechende Haus einfach schließen oder sich damit abfinden, dass die betreffende Einrichtung kulturell so wichtig ist, dass man auch gleich ganz auf Eintritt verzichten kann (z.B. das TJG – bei den geringen Einnahmen sollte dort vielleicht die Kasse ganz eingespart werden).

Aber in Dresden wird nach dem Gießkannenprinzip verteilt – unabhängig von Sinn und Unsinn der Kulturförderung. Wofür genau Oper und Staatsschauspiel 880 (!) Beschäftigte brauchen, ist unklar und wird auch nicht hinterfragt

…Kultur kostet halt Geld, sonst wär es keine Kultur…

Wieso? Es gibt tatsächlich Kultureinrichtungen, die rentabel arbeiten: Die gesamte Musikindustrie ist so ein Feld, private Galerien, Programmkinos.

Und mit jedem neuen Kulturprojekt steigt das Angebot, ohne dass die Nachfrage auch steigen würde und so werden alle Einrichtungen noch unrentabler und es kostet noch mehr, die einmal gebauten Strukturen zu erhalten.

Und wenn ich nur den Bestand erhalten kann, bekommt man auch keine Innovationen mehr. Es hemmt den Fortschritt, es ist eine Spirale nach unten.

Aus diesem Blickwinkel sind Projekte wie der Kulturpalast-Umbau oder die neue Operette oder wilde Spekulationen, ein neues Konzerthaus zu bauen, nicht nur investive Massengräber – sondern garantieren durch deren Betrieb weitere Milliardenverluste in der Zukunft.

3 May 2012 at 21:19 - Comments

Dresdner Provinzposse: Dukes

Heute in der Zeitung gelesen:
Dresdens lang bestehendes Baseball-Team darf auf Ihrem angestammten Platz am Niedersedlitzer Stadtrand nicht mehr spielen.
Begründung: Die Bälle würden in die Gärten der Anwohner fliegen können. Ich kenne den Platz von vor 15 Jahren – da gabs keine Häuser ringsrum.
Als Beweis 2 Luftbilder zum Vergleich:

Wir sehen also, die Baseballer waren weit vor den Häuslebauern dort und wenn ich mein Haus neben dem Baseball-Platz baue, kann ich nicht danach begründen, dass es ja eigentlich zu gefährlich ist.
Ich kenn die genauere Sachlage nicht, aber der Fall stinkt… wie so oft, wenn die Dresdner Verwaltung blind wütet.

3 May 2012 at 20:57 - Comments

GLOBUS-Markt am Neustädter Bahnhof

Der geplante GLOBUS-Neubau in der Neustadt – genauer in einem toten Viertel hinter dem Neustädter Bahnhof, ist eine ganz shizophräne Geschichte.
Folgende Fakten machen mich ganz und gar stutzig bei diesem Projekt:

  • Wer kennt die Gebäude auf der passend zum Beitrag abgedruckten Illustration in der Zeitung? Die Antwort: Niemand, weil die gibt es gar nicht. Zwar sind einige Gebäude des Arzneimittelwerkes real vorhanden und der hässliche Bahnbogen existiert auch, aber alles anderen entstammt dem Masterplan Hafencity (Vorgängerartikel Hafencity).
  • Es gibt eine Studie im Auftrag der Dresdner Stadtverwaltung zu dem Bauvorhaben. Sonst steht dort üblicherweise viel unnützes Halbwissen, aber im konkreten Fall empfehle ich die Lektüre: Vorlage V1234_11Die Kurzform dazu: “Dieses Projekt ist völlig überdimensioniert. Es gefährdet die gewachsene und funktionierende Einzelhandelsstruktur in der Neustadt und in Pieschen”, betonte die Neustädter SPD-Stadträtin Sabine Friedel. Hinzu komme, dass der vom Stadtrat selbst beschlossene Masterplan Hafencity großflächigen Handel ausdrücklich ausschließe. (DNN online, 23.11.2011)
  • Komisches Zeitgefüge: am 07.04.2011 schrieb die Stadt in einer kurzen Pressemitteilung: “Das Handelsunternehmen Globus will am historischen Leipziger Bahnhof der Dresdner Neustadt für 30 Millionen Euro einen Supermarkt errichten und unterzeichnete mit der Stadt einen Kaufvertrag für die rund 100.000 Quadratmeter große Fläche.”
    Die Entscheidung, ob dort überhaupt gebaut werden darf, wurde ins Jahr 2012 vertagt. Also das Grundstück wurde vertickt und damit bereits Fakten geschaffen, bevor die Entscheidung offiziell gefällt wurde.

Interessantes dazu schreiben auch das Entwicklunsgforum Dresden und die Neustadtgrünen.

27 December 2011 at 15:12 - Comments

Zitat gelesen und für lächerlich befunden

Dass unsere Bundesregierung jetzt den allgemeinen, gesetzlichen Mindestlohn will, wenn er denn nicht allgemein ist und auch am besten nicht gesetzlich, sondern tarifvertraglich – das versteht schon keiner.

Aber unser sächsischer Superminister Sven Morlok hat der Regierungslinie jetzt nochmal widersprochen:

“Zeitarbeit und unterdurchschnittlich bezahlte Arbeit sind kein Ziel politischen Handelns, aber Instrumente, um das eigentliche Ziel zu erreichen: einen Zugang für geringqualifizierte und benachteiligte Personengruppen zum Arbeitsmarkt zu schaffen.”

Sven Morlok, sächsischer Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr.

1.Frage: Tätigt er die Aussage als Minister für Wirtschaft oder als Minister für Arbeit?
2.Frage: Sind Zeitarbeit, präkere Anstellungsverhältnisse und unterdurchschnittliche Bezahlung ein Problem Geringqualifizierter? Das ist ein Schlag ins Gesicht derer, die mit Ihrer Ausbildung oder Ihrem Studium nicht den großen Sprung erreichen konnten.

Die Ursache liegt doch in einer seit 20 Jahren viel zu starren Wirtschaftspolitik der schwarz-gelben Regierung. Man muss nur mal durch die sächsische Provinz fahren, um zu sehen, dass Wirtschaftsförderung in Sachsen ausschließlich mit dem Neubau von Straßen und dem sinnlosen Herausblasen von Subventionen assoziiert wird. Es gibt ein Gerangel unter den Bundesländern und den Gemeinden, wer für die Standortansiedlung auf der grünen Wiese mehr Subventionen locker machen kann und es herrscht das Dogma, dass neue Straßen zu neuen Firmenansiedlungen führt.
Alle drei genannten Punkte in den letzten 2 Sätzen sind aber zu hinterfragen:

  • Lohnt sich ein Subventionskampf, wären transparente Unterstützungen nicht der richtige Weg? Wäre die Ansiedlung von kleinen Firmen nicht zielführender als die Großkonzerne zu locken, die nach ein paar Jahren weiterziehen?Positive Ausnahmen muss man der Vollständigkeit halber erwähnen: Logistik- und Automobilansiedlungen in Leipzig und die Chipindustrie in Dresden – ABER zu welchen Kosten?
  • Warum wird immer auf der grünen Wiese gebaut? Wieso liegen alle in Dresden gekennzeichneten neuen Gewerbestandorte am Stadtrand außerhalb jeder auto-unabhängigen Infrastruktur? Dabei sind im Stadtgebiet gigantische Industriebrachflächen vorhanden, die es günstiger und nachhaltiger zu erschließen gilt.
  • Welche Straße ist Entscheidungsgrundlage zur Ansiedlung von Unternehmen? Meist dient sie nur dem Transit und nicht der lokalen Wirtschaft. Ein Blick an die A17 zeigt ein eindrucksvolles Mahnmal, wie eine Straße zwar bequem ist, aber mit Wirtschaft nix zu tun hat.
    Vor dem Bau standen übrigens Werbeschilder: “Zum Frühstück nach Prag”. Kein Sachse ist seitdem zum Frühstück nach Prag gefahren, aber die fleißigen und wohlhabenderen Tschechen leisten sich dafür inzwischen Shopping-Trips nach Dresden und sorgen hier an guten Wochenenden für 30% des Einzelhandelsumsatzes. Diesen Effekt hat niemand erwartet und kalkuliert – ein Armutszeugnis für eine Regierung, deren oben benannter Minister gerade die Schlachtparole ausgegeben hat, 2020 zum Netto-Zahler im Länderfinanzausgleich zu werden.

Wessen Weitsicht gerade noch bis zur eigenen Nasenspitze reicht, sollte vielleicht nicht eine Dekade in die Zukunft prophezeien.

À propos Weitsicht: Sven Morlok ist auch der größte Gegner des von unserem amtierenden Bürgermeister Hilbert gemachten Kompromissvorschlags für die Königsbrücker Straße.
Wobei mich die Frage interessiert, was genau Herr Morlok davon hat, wenn diese Straße 4-spurig wird.
Meines Wissens nach wohnt er in Leipzig und allein die Tatsache, dass er jeden Morgen auf der Königsbrücker Straße im Stau steht hätte bei einem Politer seines Formats für mich Erklärung bieten können, dass er diesen Ausbau verlangt.

Link: Artikel zur Königsbrücker

27 December 2011 at 14:34 - Comments

Königsbrücker Straße bauen, aber intelligent

Was ist das Problem an der Königsbrücker Straße? – Autos, Bahn, Radfahrer, Fußgänger, LKW, ….
Die richtige Antwort ist: Der Durchgangsverkehr!

Nördlich der Stauffenbergallee ist die Straße gut ausgebaut und verträgt das momentane Verkehrsvolumen ganz gut. Die Stauffenbergallee selbst mit der bald fertigen Waldschlösschenbrücke ist leistungsfähig genug, beliebige Autozahlen zu verkraften.
Die Aufgabe muss als sein, den Verkehr von der nördlichen Königsbrücke und der westlichen Stauffenbergallee in Richtung Waldschlösschen fließen zu lassen und NICHT als Durchgangsverkehr auf die Königsbrücker in die Neustadt. Das führt dazu, dass weniger Stau und damit weniger Stress auf der Straße ist und man sich wieder sicher fühlen kann – auf dem Rad, im Auto und auf dem Fußweg.

Bis hierher war es doch einfach und verständlich, oder? Manche Politiker der CDU & FDP-Fraktion kommen aber hier geistig schon nicht mehr mit und die Förderrichtlinie des Landes sieht so eine Logik auch nicht vor.

Der verbleibende Verkehr auf der Königsbrücker ist also in Zukunft hoffentlich größtenteils Quell- und Zielverkehr: Autos von Anwohnern, Liefer-LKW für Geschäfte der Neustadt und Menschen, die Ihren PKW in der Neustadt brauchen. Keine LKW-Transits und kein stadtquerender Pendlerverkehr.
Dieser Verkehr kommt aber mit einer autobahngleichen Trasse nicht klar, denn es muss vergleichsweise oft abgebogen und geparkt werden. Ein links abbiegendes Fahrzeug hingegen ist nach derzeitiger Verkehrslage ein enormes Risiko und Hindernis für alles anderen Beteiligten. Die Parksituation ist zudem eine Katastrophe, sodass viel unnötiger Parkplatz-Suchverkehr entsteht.

Nach Betrachtung des zweispurigen Kompromissvorschlags, der auch von den Grünen als vehementesten Gegner des vierspurigen Ausbaus verabschiedet wurde, kommen mir Zweifel an der Realisierbarkeit der oben formulierten Ziele: die Straßenbahn wird weiterhin nur langsam vorankommen, Parkplätze werden massenweise vernichtet, die Verkehrsfläche wird massiv vergrößert, Fußgänger kommen weiterhin nur schwer über die Straße. Abhilfe sollen zusätzliche Ampeln schaffen – aus meiner Sicht behindern diese den Verkehrsfluss für alle Verkehrsteilnehmer noch stärker als bisher und führen zu noch mehr Aggressivität auf der Straße.
Abgesehen davon erkenne ich jetzt schon auf den Plänen die Stellen, an denen Fahrradfahrer von Autofahrern begrängt werden.

Eine Lösung wird daher eine sehr besondere Verkehrssituation sein müssen. Auf der Leipziger Straßen ist etwas ähnliches entstanden: Auto- und Bahnverkehr funktionieren nebeneinander und der Verkehr von Radfahrern und Fußgänger ist davon getrennt. An Haltestellen und Verkehrsinseln ist eine Überquerung möglich und dennoch gibt es nur Bedarfsampeln.

Die Lösung eines verträglichen Querschnitts habe ich mal skizziert und schaff es hoffentlich demnächst, die entsprechenden Blätter einzuscannen und online zu stellen.

27 October 2011 at 15:42 - Comments

Kulturkalender Dresden(9) – LöMuWeiKa 2011 und Poetry Slam

Löbtauer Musikalischer Weihnachtskalender 2011

Löbtauer Musikalischer Weihnachtskalender 2011

Der LöMuWeiKa 2011 beginnt sich zu formieren, erste Interpreten und Spielorte stehen bereits fest.
Nachdem ich das letzte Jahr in der Campuszeitung CAZ berichtet hatte und so der charmanten Bitte nach Erwähnung im Blog nachgekommen bin, erwarte ich mit Spannung die diesjährigen Highlights.
Einziges Manko: Nicht mehr in Löbtau wohnend, wird der Weg für mich ein wenig länger.

Zweites sehr erfreuliches Ereignis: Der Poetry Slam startet am 03.November in der Scheune in die neue Saison und wird wieder von Michael Bittner und Stefan Seyfarth mit Leben gefüllt. Nur eine Bitte: Weniger Melancholie und gegenseitige Nervereien der beiden Moderatoren – das entwertet die sensationellen Künstler, die ich beim ersten Termin leider urlaubsbedingt verpassen muss. VVK 6 €.

Insbesondere ist die Kontinuität der Poetry Slams zu beglückwünschen, nachdem sich der Song Slam als ebenfalls grandiose Veranstaltung vor ca. einem halben Jahr in eine ungewisse Zukunft verabschiedet hatte.
Weiß jemand, wie es damit weitergehen wird?

13 October 2011 at 20:50 - Comments

Aus “Beton-Brauns” wird “Beton-Rohde”

Will verkehrspolitisch von Ihrer Hardliner-Position wegkommen: Die "Beton"-CDU

Darf man der heutigen SZ glauben, strebt die Dresdner CDU eine gemäßigtere Verkehrspolitik an. Deshalb wurde Hans-Joachim Brauns (“Beton-Brauns”) durch Bernd Rohde (ebenfalls bekannt als “Beton-Rohde”) ersetzt.

Wenn jetzt noch “Stadtautobahn-Marx” und “Auto-Zastrow” abgesägt werden, könnte es was werden. Der einzig brauchbare Realpolitiker im gelb-schwarzen Gruselkabinett, Dirk Hilbert (FDP), wurde wegen seiner kompromissbereiten (übrigens in Stadtrat und Bevölkerung mehrheitsfähigen) Haltung intern ja bereits mundtot gemacht.

Passend dazu eine andere Meldung von “Auto-Zastrow”:

Zastrow, Fraktionschef der Dresdner Stadtrats-FDP, MdL und auch auf Bundesebene zumindest in der 2.Reihe angekommen: (Quelle: SZ-online am 13.10.2011) Er beantragt im Stadtrat, die Sanierung so umzuplanen, dass durchgängig Autos fahren können – was laut Rathaus aber nur geht, wenn mindestens 15 Wochen keine Bahn mehr fährt. Zastrow glaubt das nicht.

Neulich kotzte er sinngemäß in die Zeitung: “Der ÖPNV darf nicht zulasten der Autofahrer beschleunigt werden”. Der Mann hats wirklich kapiert… Die Zahl der Ein- und Auspendler und damit des Gesamterkehrs hat dramatisch zugenommen und Dresden kollabiert täglich an den gleichen Stellen. Wenn ein paar Prozent der Autofahrer aufgrund günstigerer Verkehrsbedingungen auf Rad und ÖPNV umsteigen, kämen auch Auto-Triebtäter der FDP schneller voran. Wenn hingegen der Autoverkehr begünstigt wird, steigt die Anzahl der Autofahrer und die dann nicht teuer ausgebauten Streckenabschnitte werden zu den neuen Staufallen.

Thematisch nicht allzu weit entfernt ist dazu folgender Artikel: http://pro3d.de/blog/kommunalpolitik/radverkehr-in-dresden-konigsbrucker-str/

13 October 2011 at 19:02 - Comments

Organspende – Umfrage auf Spiegel Online (SPAM)

Es ist nicht so, dass nur die Medien FDP-Bashing betreiben, die Leser von Spiegel-Onlien sind sich auch relativ einig, obwohl auch andere Antwortmöglichkeiten sehr legitim waren:

30 September 2011 at 22:26 - Comments

Anti-Florana-Initiative

Kürzlich erreichte mich eine mail, in der es um unsere geliebte Florana KG ging. Inzwischen hat sich der Widerstand gegen diese miese Architektur und die noch viel miserableren Konzepte dieses Immobilienentwicklers gemeinsam formiert und mündeten in folgendem Aufruf der Bürgerinitiative Friedrichstadt:

Die offizielle Website zum Protest findet ihr unter http://friedrichstadt.blogsport.de und der Flyer in besserer Lesbarkeit ist unter http://friedrichstadt.blogsport.de/images/Flyer_BrgerInitiativeFriedrichstadt.pdf zu finden.

Weiterführendes zum Thema hier im Blog: Polemisches, die Rolle der Presse dazu, Zusammenfassendes und Spezielles zur Löbtaupassage und dem Boulevard.

20 September 2011 at 20:06 - Comments
Karl
Bei all den vielen Negativ-Meinungen über Florana muss hier mal ein Ausgleich geschaffen werden, indem für dieses herausragende Unternehmen passende ...
6 February 12 at 15:35

Audi für schlechte amerikanische Straßen

Die amerikanische Infrastruktur verfällt. Diese Wahrheit jedoch abseite von Wahlslogans im Fernsehen zu sehen, erschreckt:

Audi aber versucht gerade das in den USA: Um dem Abstieg entgegen zu treten muss man ein deutsches AUto fahren – amerikanische sind nicht sicher genug… wenn das mal nicht für Zündstoff sorgt:

19 September 2011 at 14:57 - Comments

Kulturkalender Dresden(8) – Aktuelles aus Kleinem Haus und Schauspielhaus

In letzter Zeit kam ich wieder öfter in den Genuss, Theater und Kabarett erleben zu können, daher will ich euch die Leckerbissen nicht vorenthalten.

Bereits letztes Jahr gesehen und jetzt wieder im Programm im Schauspielhaus Dresden ist das Stück “Sein oder nicht sein” – absolut fantastisch gespielt, super spannender Stoff. Nichts schwermütiges, auch wenn das Thema todernst ist.

Cornelia Funke’s Jugend- und Erwachsenenstück “Reckless – Steinernes Fleisch” konnte mich erst zum Schluss mit seiner zweiten Handlungsebene überzeugen, auf jeden Fall war es aber gut gespielt, auch wenn das Stück inhaltlich nicht immer meinen Geschmack traf.

Grandios ist die Inszenierung von “Die Firma dankt” (von Lutz Hübner) im Kleinen Haus. Inhaltlich perfekt pointiert und nicht nur modern, sondern vor allem aktuell hat – deshalb hat mich das Stück überzeugt und ich kann es nur jedem ans Herz legen. Es ist politisch, gesellschaftskritisch, sehr menschlich, vorurteilsbehaftet und zugleich vorurteilsvernichtend, es ist gelegentlich verwirrend, um sich dann doch wieder zu erschließen. So muss Theater sein und ich hoffe, die anderen Lutz Hübner Stücke sind ebenso gelungen. Dass “Frau Müller muss weg” permanent ausverkauft ist, lässt aber genau darauf schließen. Ich werde anschließend berichten…

“Ein Kessel Schwarzes” in der Herkuleskeule war auch gut, aber leider waren nicht alle Szenen zum Lachen, viele doch eigentlich eher zum Hören. Sehr politisch, sehr bissig, aber vielleicht nicht ganz passend zum Publikum der Keule? Sowohl die Mandy in der ersten Reihe, als auch die mimik-resistenten Senioren ließen die Stimmung nicht gerade überkochen.

26 March 2011 at 18:36 - Comments

Kulturkalender Dresden(7) – Song Slam und Tom Gavron

Der Scheune Poetry Slam war hier schon einmal Thema.
Die nächste Stufe der kulturellen Evolution war für mich der Song Slam, ebenfalls in der Scheune. Diesmal waren Duos/Duette am Start und davon gleich 8, die gegeneinander antraten und sich nichts schenkten.
3.-Platzierter und definitiv ganz großer Hoffnungsträger der lokalen Musik ist für mich Tom Gavron, der am 05.April 2011 in der Scheune seine Record Release Party feiert und dabei mit vielen musikalischen Freunden, beispielsweise Stilbruch, spielen wird. Packend, emotional und stimmgewaltig beschreiben Tom Gavron wohl passend. Dank Ausbildung der der Musikhochschule ist er ein Künstler mit hohem Anspruch und viel Potential.

Erstplatziert war “Ruby’s Affairs“, der Bandname darf jedoch getrost vergessen werden, da es Bandtradition ist, jedesmal unter anderem Pseudonym aufzutreten. Geteilt hat sich den ersten Platz mit “Ruby’s Affairs” das Duo “Rookfly“.

Chaotisch, aber besonders am Bass sehr überzeugend war außerdem “Massive Stone Cocks“.

Die Veranstaltung hat durch sehr hohe Qualität überzeugt, die Moderation von Christian Meyer und Steffen Haas war erfrischend – schade, dass sie nun über den Sommer keine Veranstaltung planen. Aber die nächste kommt bestimmt, also wachsam bleiben!

26 March 2011 at 18:24 - Comments

Dresden am 13.Februar 2011 & 19.Februar 2011

Es ist wieder soweit, die Mobilisierungen für den 13.Februar laufen. Auf Seite der Neonazis wird jetzt verstärkt versucht, für den 19. Februar Unterstützer zu finden. Nach der Pleite im letzten Jahr hat den traditionellen Termin wohl verlassen, um zumindest einen Samstag anbieten zu können. Es bleibt zu hoffen, dass die bundesweiten und internationalen Unterstützungsaufrufe dennoch keine Resonanz finden und die Schmach aus 2010 noch tief in den Knochen steckt. Geplant ist an dem Tag eine Art Sternmarsch, weil sie wohl hoffen, damit nicht wieder eingekesselt zu werden.
Die Lage ist also überaus erfreulich für die demokratischen Gegendemonstranten, weil nach der Selbstzerfleischung der rechten Szene nun die “Großdemonstration” auf viele kleine verteilt wird, was besonders den Anteil der weniger radikalen Unterstützer dramatisch reduzieren sollte, da somit der Einzelne stärker gefährdet und auch viel wahrnehmbarer wird.

Auf Seite der Gegendemonstranten zunächst ein Blick ins konservative Lager um die Oberbürgermeisterin: Es soll wieder eine Menschenkette geben, um still gedenken zu können. Find ich gut, auch wenn man diesmal noch viel weniger mit der Nazidemo zu tun hat, da am 13.Februar von Seiten der Nazis lediglich lokale Fackelmärsche in den NPD-Hochburgen am sozialprekären Stadtrand geplant sind und somit örtlich und zeitlich gar keine Kollision auftreten kann. Vorsichtig sollte die Stadt jedoch sein, dass sich nicht die örtlichen Nazi-Kader an der Menschenkette beteiligen, das wäre sehr beschämend.

Im Gegensatz zu Einsätzen in Stuttgart konnte die Wasserwerferbesatzung in Dresden 2010 gemütlich schlafen, denn die Blockaden waren friedlich und Polizeigewalt nicht zu rechtfertigen.

Im politischen Lager jenseits von CDU/FDP sehen die Vorbereitungen deutlich offensiver aus, so ist die im Vorjahr erfolgreiche Blockade wieder in Planung. Und die Liste der Unterstützer kann sich sehen lassen, aus meiner Sicht die wichtigsten sind dabei aus dem Bereich der Politik Die Linke, SPD, Grüne jeweils mit mehreren Parteihierarchien mit Ihren Jugendorganisationen.
Die Gewerkschaften sind sehr stark vertreten, selbstverständlich die Antifaschistischen Aktionsbündnisse, aber auch Attac und der Studentenrat der TU Dresden.

Erstunterzeichnende Einzelpersonen sind hochrangige Bundespolitiker wie Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse, der sich auch letztes Jahr in die Sitzblockade einreihte, und Vorsitzende der jeweiligen Zentralräte der Muslime und Juden. Die Präsenz dieser Prominenz schützt die Gegendemonstrationen effektiv vor Gewalteskapaden der Polizei wie in Stuttgart, indem die Hemmschwelle stark erhöht wird.
Auch Größen der lokalen und internationalen Kulturlandschaft unterstützen das Blockadebündnis von Anfang an, darunter der Dresdner Theaterkahn, Beatsteacks, Die Toten Hosen, Constantin Wecker und Tocotronic.

Der Konsens der Unterstützer wurde also wieder durch alle Gesellschaftsschichten gefunden, den Nazis mit ihrer menschenverachtenden Ideologie keine Raum zu geben. Dass die Demonstranten des rechten Spektrums keine Mauerblümchen sind, mussten die Polizisten letztes Jahr spüren, als den Neonazis klar wurde, dass ihr Marsch ersatzlos ins Wasser fällt. Dass diese Gewalttaten und offenen Drohungen der Redner am Mikrofon gegenüber der Polizei bislang nicht zum generellen Verbot der Nazi-Demonstration führten, ist bedauerlich, zeigt aber auch das vielschichtige Rechtsproblem um die Demonstrationen im Allgemeinen und die rechtliche Bewertung solcher Aktionen und der Blockaden im Speziellen.
Um Klarheit in die Angelegenheit zu bringen, findet dafür am 14.Januar 19 Uhr eine Podiumsdiskussion im Kulturrathaus statt, die unter Moderation des Dresdner Oberstaatsanwalts Christian Avenarius zwischen hochrangigen Juristen geführt wird und sich vor allem um zivilen Ungehorsam dreht, den die Blockaden juristisch darstellen.

Eine gekürzte Version des Artikels ist auch in der Campuszeitung erschienen

19 February 2011 at 05:27 - Comments

Eigentor!

Es gibt Politker, die müssen auf erstmal auf die Kacke hauen, um Ihrem eigenen Geltungswahn Ausdruck zu verleihen. So hat es unser neuer sächsischer Staatssekretär für Wissenschaft und Kunst, Dr. Henry Hasenpflug, getan.
Und wer könnte sich für ein Bashing eher eignen als die Studenten, die in seiner Wahrnehmung offenbar lästiges Anhängsel der Wissenschaftslandschaft sind? Er scheint nicht verstanden zu haben, welche Aufgabe Hochschulen haben: nämlich Lehre und Forschung voranzutreiben. Überall ist Bildung der politische Schwerpunkt, aber Herr Hasenpflug hat das noch nicht verstanden. Ich denke sogar, er hat seine Aufgabe insgesamt nicht verstanden und sollte sofort von seinem Amt zurücktreten, um weiteren Schaden zu vermeiden.

Jedenfalls sagte er in Leipzig, die Hochschulen seien die Gewinner der Haushaltsberatungen, weil ja der geplante Stellenabbau um 2 Jahre nach hinten geschoben sei und Langzeitstudenten seien Sozialschmarotzer, die auf billiges Mensaessen und andere Vergünstigungen aus sind. Das hat gesessen!

Mein Kommentar dazu in der Campuszeitung CAZ (der beliebtesten und zeitgleich eine der größten Studentenzeitungen in Sachsen) war folgender:

Ein passenderes Eigentor hätte sich Staatssekretär Henry Hasenpflug nicht schießen können. Langzeitstudierende seien Sozialschmarotzer, also beziehen zu Unrecht Vergünstigungen wie billiges Mensaessen. Denn mal abgesehen davon, dass die üppige Bezahlung dieses Beamten in täglich 150 subventionierte Mensaessen sicher besser investiert wäre, ist er selbst ein typischer Fall von Sozialschmarotzertum. So arbeitete er nach seinem teuren Lehrerstudium nur 5 Jahre in seinem Beruf, um sich dann nochmal in der Uni einzunisten und liegt seitdem 34 Jahre dem Steuerzahler als Staatsbediensteter auf der Tasche. Wer im Glashaus sitzt und aus Sozialneid mit Steinen schmeißt, sollte vielleicht auch überdenken, wieso Studenten selten in der Regelstudienzeit fertig werden. Das liegt zum großen Teil an einer völligen Überlastung des Hochschulpersonals, sodass nicht korrigierte Klausuren und Belege oft zu monatelangen Zwangspausen bei den Studenten führen und eben diesen Personalabbau will Herr Hasenpflug ab 2013 noch verstärken. Seine eigene Stelle wäre dabei wohl eher zu verkraften als eine beim Lehrpersonal der Uni.

31 January 2011 at 10:39 - Comments

Schuldenatlas: Auslandsforderungen deutscher Banken

Eigentlich nicht so mein Thema, aber da es gerade durch die Medien gereicht wird, geh ich kurz darauf ein:
Deutschland hat 2,4 Billionen Euro ins Ausland verliehen, mehr Geld als unsere gesamte Staatsverschuldung! So weit, so sensationell – und ebenso populistischer Blödsinn.

Die Ursache des Nicht-Problems

Wenn ein Land wie Deutschland einen massiven Handelsbilanzüberschuss von fast 200 Milliarden Euro pro Jahr hat, muss das im Ausland verdiente Geld irgendwo hin. Es findet ein permanenter Gütertausch statt: Wir exportieren Autos und Maschinen in alle Welt und da wir weniger importieren, kauft man von dem Geld vor Ort ein. Deutsche Banken importieren sozusagen Verbindlichkeiten, um den Handelsüberschuss wieder auszugleichen. Würden deutsche Banken in den Ländern keine Gelder zur Verfügung stellen, könnten sie auch weniger deutsche Güter importieren.
Zu einem Export-Land gehört meist auch genau so eine hohe Kreditvergabe ins Ausland. Deshalb pumpt auch China Milliarden in fremde Märkte (beispielsweise in Afrika). Das Geld bringt wiederum noch mehr Einnahmen für deutsche Banken, denn von den Gewinnen, die ausländische Unternehmen mit deutschen Maschinen produzieren, bekommen die Banken noch ihren Zins. Die 2,4 Billionen Auslandsverbindlichkeiten lassen also weltweit Millionen Menschen für deutsche Banken schuften. Kein schlechter Deal aus volkswirtschaftlicher Sicht.
Dass nun ein paar dieser Milliarden wackeln und eventuell nicht zurückgezahlt werden, ist das gleiche wie bei jedem anderen Kreditgeschäft auch. Der Zins hängt vom Risiko ab und Risiko heißt, dass man auch mal Kredite verlieren kann.

Die Zahlen im Detail

2,4 Billionen klingt unglaublich viel, aber addiert man die Deutschen Handelsbilanzüberschüsse der letzten 10 Jahre, kommt man auf eine Summe von ca. 1,5 Billionen Euro. Und Deutschland hat seit 1952 einen Exportüberschuss, sodass die 2,4 Billionen ganz und gar nicht mehr riesig erscheinen.
Wenn russische und arabische Fonds deutsche Unternehmen kaufen, gibt es einen Aufschrei, aber genau das machen deutsche Banken seit Jahrzehnten im großen Stil und so werden sie es weiterhin machen, da der deutsche Export boomt und dieses System einen wesentlichen Beitrag zu unserem aktuellen Wohlstand beigetragen hat.

Wer hat die Schulden?

Jede reißerische Schlagzeile in den Medien zeugt also von Unkenntnis der Autoren, die sie drucken. Ganz besonders pikant in diesem Zusammenhang sind die Untergangsszenarien für Griechenland, Irland, Portugal und Spanien. Natürlich wär besonders ein großer Ausfall in Spanien (und Portugal) ein herber Schlag für die Banken, aber man kann davon ausgehen, dass nur ein kleiner Teil davon verloren geht. Betrachtet man in nachstehendem Diagramm, wieviel diese Länder an den deutschen Auslandverbindlichkeiten haben, kann man getrost aufatmen – insbesondere bei Irland und Griechenland. Aber genau das machen deutsche Medien nicht: sobald eine Zahl groß genug erscheint (je nach Autor beginnt das zwischen 10 und 10.000.000), ist die Sensationsmeldung da. Erst denken, dann die Fakten relativieren und dann schreiben, das wünsch ich mir für deutsche Medien.

14 December 2010 at 12:06 - Comments

Der Löbtauer Advent mit allabendlicher Kleinkunst

Dieser (politische) Chor war Inhalt des 2.Kalendertürchens des LöMuWeiKa. Das gastgebende Weltcafé hatte viele Besucher, die bis Weihnachten auf weitere, abwechslungsreiche Abende hoffen können.

Adventskalender. Ein Kalender ohne Schokolade, dafür mit Live-Musik ganz ohne Eintritt verspricht der LöMuWeiKa, der Löbtauer Musikalische Weihnachtskalender.

Jeden Vorweihnachtsabend im Dezember geht in Dresden-Löbtau eine Tür oder ein Fenster auf und es ertönt Musik – vor Chören, Einzelinterpreten oder Bands und auf jeden Fall sehens- und hörenswert. Was klingt, wie eine Kopie des längst etablierten Neustädter Adventskalenders, ist in Wirklichkeit etwas anderes. „Das Ungewöhnliche ist, dass es sich selbst organisiert“ beschreibt Alexander Bigga vom Weltcafe das Konzept. Er selbst habe zwar sein Cafe als Darbietungsort, jedoch selbst keine musikalischen Ambitionen, um ein Kalendertürchen inhaltlich zu füllen. Da die Organisation jedoch über ein offenes Wiki läuft, fanden sich schnell enthusiastische Musiker, die zwar auftreten wollten, aber keinen Raum hatten.

Die Idee des sich selbst organisierenden Kalenders tourte dabei in den letzten Jahren von der Neustadt über Alt-Omsewitz und das Hechtviertel und scheint sich nun in Löbtau etabliert zu haben. Kein Wunder, ist doch der Stadtteil durch seine Uni-Nähe inzwischen zum beliebten Studenten-Viertel geworden, das seine eigene kulturelle Identität gerade noch entwickelt. Von lediglich 5 „gefüllten Türchen“ letztes Jahr gibt es diesen Advent eine rasante Steigerung auf nunmehr 12 von 24 maximal möglichen Terminen an durchaus populären Orten. So werden das Kino in der Fabrik und das Wums weitere Veranstaltungsorte sein, in denen Rockiges, Klassisches, Weihnachtliches und Internationales zu hören ist.

Was es dabei auf die Ohren gibt, ist im Vorfeld nicht immer ganz klar, so auch zum 2.Dezember, als sich ein Chor ankündigte, der mal „Drachenfrucht“ hieß und heute möglicherweise „Der basisdemokratische Chor“ ist. Was es da in 45 Minuten zu hören gab, waren mehrstimmige, sehr politische Stücke, die auch schon beim opencampus und zum Kauf-Nix-Tag für gute Stimmung sorgten. Der Chor, beim Bildungsstreik gegründet und mittlerweile zehn Mitglieder stark, erhebt dabei das Gesangstalent des Einzelnen nicht zum entscheidenden Kriterium, erklärt Chormitglied Clara, Sozialpädagogikstudentin an der TU Dresden. Wichtiger seien vielmehr die Auseinandersetzungen mit den Texten und deren gesellschaftlicher Anspruch, sodass neue Mitglieder – mit oder ohne Gesangstalent – gern gesehen sind. Geprobt wird jeden Dienstag 19 Uhr, Kontakt unter tatapani@googlemail.com.

Alle weiteren LöMuWeiKa-Termine gibt’s unter http://loemuweika.wiki.zoho.com/

6 December 2010 at 12:28 - Comments

Die Globalisierung als neue Chance für Afrika

Sebastian Gründig, BWL-Master-Student an der TU Dresden, zeigt die Produkte, mit denen er afrikanischen Handwerkern zu Erfolg in Deutschland verhelfen will

Entwicklungshilfe. Ist es möglich, dass die schwarze Landbevölkerung in Afrika direkt von der Globalisierung profitieren kann?

Diese Frage stellt sich Sebastian Gründig, Student der BWL im 3.Master-Semester an der TU Dresden, für seine Forschungsarbeit. In seinem Konzept betrachtet er dabei, dass die Globalisierung ermöglicht, einen direkten Kontakt zwischen Produzenten im entfernten Afrika und Konsumenten hier in Deutschland herzustellen. Das ermöglicht den Verkauf von individuellen Artikeln von lokalen Handwerkern – ein Modell, was in der industriellen Massenproduktion bislang äußerst selten Anwendung findet und meist über mehrere Zwischenhändler läuft.

Das gleiche nutzen wir, wenn wir über die CAZ-Kleinanzeigen Bücher oder Möbel verkaufen, zu den meisten Angeboten findet sich ein Abnehmer und das auch ohne einen Second-Hand-Laden als Mittler. Diesen Ansatz transformiert Sebastian nun in einen transkontinentalen Kontext und verspricht sich damit, die Entwicklungshilfe auf ein neues Level zu führen. „In unserem Konzept wollen wir helfen, eigenständige Existenzen in Namibia zu ermöglichen“ erklärt Sebastian dazu. Aufbauend auf der Idee von Mikrokrediten, für die deren Gründer Yunus 2006 den Friedensnobelpreis gewann, bildet Sebastian dabei nicht nur die Finanzströme, sondern bezieht vor allem auch Waren- und Informationsströme in seinem Konzept ab. „Kein einfaches Unterfangen, denn auf den Karten sind weder die Dörfer, noch die kleinen Straßen verzeichnet, die uns zu unseren Kooperationspartnern vor Ort führten“ beschreibt Sebastian dabei die praktischen Probleme.

Dass die Idee auf festen Füßen steht, beweist die Unterstützung Afrikanischer Behörden, denn er hat bereits die Testphase erreicht: Mit Salatschüsseln und Kochbesteck aus hochwertigen, aber nicht gefährdeten Harthölzern hat er Produkte gefunden, die er für geeignet hält, um hiesige Käufer zu finden. Da er an die Idee glaubt, hat er für den Versuch ein eigenes finanzielles Risiko auf sich genommen. Alle Einnahmen dienen der Reinvestition, wovon wiederum mehr Leute vor Ort profitieren. Die erzielten Ergebnisse werden die nächsten Semester in Sebastians Masterarbeit einfließen und so vielleicht dazu beitragen, Entwicklungshilfe zu echter Wirtschaftshilfe zu machen. Von seinen Kommilitonen wünscht sich Sebastian, dass sie ihn durch Feedback unterstützen: „Wenn wir in Verhandlungen mit Kreditgebern sind, kann schon helfen, wenn wir eine große Facebook-Fangemeinde haben, die an die Idee glaubt“.

Weitere Infos auf http://www.facebook.com/home.php?#!/pages/Projekt-Wirtschaftshilfe-Afrika/169902836371637

6 December 2010 at 12:23 - Comments

Was sagt uns wikileaks?

Sensationsmeldung in allen Zeitungen: Seehofer sei unberechenbar, Merkel hat den Spitznamen “Teflon” und Westerwelle sei eben kein Genscher – so die Einschätzung von US-Diplomaten und bis hierher nichts Verwunderliches.
Die Behauptungen sind zwar diplomatisch nicht korrekt, aber fachlich weitgehend realistisch.

Viel interessanter sind Dokumente der Auslandsbotschaften, die wirklich nichts in der Öffentlichkeit zu suchen haben:
Beispielsweise bin ich auf dieses Dokument der Botschaft in Sanaa gestoßen. Sanaa (vertreten durch Präsident Saleh), Hauptstadt des Jemen und derzeit damit beschäftigt, Al-Quaida-Ausbildungslager zu bombardieren und eigene Rebellengruppen mit Waffengewalt kleinzuhalten, macht dabei nämlich erschreckende Aussagen zur aktuellen Politik:

Qatar should not be involved [in the London conference], however, because “they work with Iran.” In this regard, Saleh also identified Qatar as one of those nations working “against Yemen,” along with Iran, Libya, and Eritrea.

Das hat genauso Zündstoff, wie die durch die Presse geisternde Mitteilung, die Golfstaaten (insbesondere Katar) forderten einen US-Angriff auf den Iran. Es scheint in den Köpfen der Despoten eine Lagerbildung stattzufinden und das ist gar nicht gut. Jeder Staat hat seine eigenen Leichen im Keller und ständig versucht man die großen Mächte gegeneinander auszuspielen und belügt dabei die eigene Bevölkerung.
So gesteht in dem Dossier der Präsident und der stellvertretende Premierminister, dass sie das eigene Parlament belügen, indem sie Militäraktionen der US-Streitkräfte decken:

“We’ll continue saying the bombs are ours, not yours,” Saleh said, prompting Deputy Prime Minister Alimi to joke that he had just “lied” by telling Parliament that the bombs in Arhab, Abyan, and Shebwa were American-made but deployed by the ROYG.

Fakt ist also, dass Politik und Diplomatie hinter den Kulissen nichts mit dem zu tun hat, was wir täglich in der Presse lesen und in den Nachrichten sehen. In den Wikileaks-Dokumenten stecken unbequeme Wahrheiten, die dazu führen müssten, dass hochrangige Politiker sowohl in der US-Administrative, als auch in den betroffenen Staaten zurücktreten sollten.
Mein gezeigtes Beispiel macht deutlich, dass hier nicht nur vertrauliche Geheimnisse verraten wurden, sondern dass groß angelegter diplomatischer Schwindel und transnationale Verschwörungen existieren und gedeckt werden.
Der Gesprächspartner von Präsident Saleh war übrigens US-General Petraeus, der zu dem Zeitpunkt (4.Januar 2010) Oberkommandeur im Irak war und seit Mitte des Jahres 2010 Kommandeur der US-Streitkräfte in Afghanistan ist. Das ist kein kleiner Fisch, sondern DER mächtigste Militär des gesamten Nahen und Mittleren Ostens.

29 November 2010 at 16:23 - Comments

Kulturkalender Dresden(6) – Löbtauer Musikalischer Weihnachtskalender

Löbtauer Musikalischer Weihnachtskalender 2010

Löbtauer Musikalischer Weihnachtskalender 2010

Heute lag eine Einladung in meinem Briefkasten – im analogen, nicht im digitalen – für den Lömuweika. Aus der Neustadt kenn ich die Idee mit dem quartierweiten Weihnachtskalender, aber in Löbtau war mir das neu. Dabei gibt es den Löbtauer Musikalischen Weihnachtskalender dieses Jahr nicht das erste mal und ich will die Gelegenheit nutzen, dieses kulturelle Kleinod zu nutzen.

Momentan werden zwar für einige Dezemberdaten noch Musiker gesucht, die einen Beitrag leisten wollen, aber ungefähr die Hälfte der musiklaischen Türchen steht bereits fest.

Los gehts am 1.Dezember um 19.30 in der Burgkstraße 39, wo Torsten Philipp seine Musik darbieten wird, am 2.Dezember gibt ein Chor sein Programm im Weltcafe zum Besten.

Update: Einen kleinen Eindruck davon gabs in meinem caz-Artikel.

Aktuelle News gibts auch auf Facebook, im Lömuweika-Wiki und im eigenen Lömuweika-Blog.

24 November 2010 at 15:57 - Comments

Lesetipp: A global shift to renewable energy

Wir reisen zurück ins Jahr 2000: Im Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) wollte man den Anteil der Erneuerbaren in der Stromerzeugung bis heute auf 12,5% verdoppeln. Gelächter gab es für dieses Rot-Grüne Vorhaben. Heute sind bereits 17% erreicht, das Ziel wurde in der Zeit um ca. 70% übertroffen – eine Steigerung, die man sonst nur bei öffentlichen Infrastrukturprojekten kennt.

Solche Steigerungsraten kennen wir aber aus anderen Technologiebereichen: Dem Mobilfunk, den PCs – warum nicht auch bei Energien?
Welche Rolle spielt Texas im Energiesektor? Erdölexporteur… richtig, aber inzwischen auch führender Windenergieproduzent der USA. Die Windenergie hat dort das Öl ökonomisch schon sehr alt aussehen lassen. Ähnliche Erfolge im rasanten Ausbau erneuerbarer Energien gibt es weltweit und dieser Buchauszug im gut lesbaren englischen Original gibt beeindruckende Beispiele einer globalen Energierevolution in gewaltigen Maßstäben:

http://www.grist.org/article/a-global-shift-to-renewable-energy

22 November 2010 at 18:50 - Comments