Stromexporte / Wie viel wird verschenkt?

Das gut gepflegte Dogma „Wir zahlen dem Ausland Geld dafür, dass sie unseren Ökostrom verbrauchen“ wird jetzt mal geprüft. Anlass ist ein Beitrag des sehr aktiven iwd („Inflexibilität kostet“), in dem die steigende Anzahl der Stunden mit negativem Börsenstrompreis dargestellt sind.

Fairerweise muss man sagen, dass das iwd korrekt darstellt, dass es ein Zusammenspiel zwischen hoher Einspeisung an Erneuerbaren Energien (im Beispiel vor allem Wind) und fehlender Flexibilität der konventionellen Kraftwerke ist.

Trotz laut iwd steigender Zahlen der Jahresstunden mit negativem Börsenstrompreis wird das Problem aber insgesamt kleiner, denn der Exportüberschuss geht die letzten Jahre zurück.

Da das vom iwd gewählt Beispiel mit dem 16.Februar 2020 einen Extremfall darstellt, hab ich den mal durchgerechnet und er dient als worst-case-Scenario.

(c) IW Medien / iwd, Ergänzungen von mir in rot: Kostenabschätzung der verschenkten EE-Überschüsse in Zeiten hoher EE-Einspeisung

211 Stunden sind laut iwd die Strompreise im Jahr negativ und obwohl nicht immer in dieser Zeit Strom exportiert wird, nehmen wir das mal als Grundlage. Im berechneten Beispiel werden 4 Mio. € für 30 Stunden überschüssigen Strom an Ausländische Netzbetreiber bezahlt. Macht für 211 Stunden als ca. 28 Mio. € jährlich.

28 Mio. €, die dafür gezahlt werden, dass andere Länder ihre Kraftwerke runterfahren und stattdessen „unseren“ Strom verbrauchen oder aber ihre Pumpspeicher füllen. Man könnte sagen, es ist eine Klima-Entwicklungshilfe für unsere europäischen Nachbarn.

Diese 28 Mio. € müssten wir nicht verschenken, wenn wir nicht so unflexible Kohle- und Atomkraftwerke hätten und die Leistung hätten stärker zurückfahren können. Die 28 Mio. € müssten wir auch nicht verschenken, wenn es in Deutschland genügend Pumpspeicher und Batteriespeicher gäbe, die man mit den 360 GWh hätte füllen können.

Andererseits sprechen wir hier von einem worst-case. Die Hochrechnung von 28 Mio. € hätte im schlimmsten Fall also auch die 7-fache Strommenge = 2,5 GWh zur Folge. Das wiederum entspräche 0,5% des gesamten Stromerzeugung in Deutschland. Und das wiederum ist eine sehr kleine Zahl, was es zu einem sehr kleinen Problem macht.

Im Vergleich wird deutlich: Die zu negativen Strompreisen „verkaufte“ Strommenge ist verschwindend gering.

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